Crans-Montana: Betreiber von Unglücksbar gibt offenbar zu, dass Serviceausgang verschlossen war

Crans-Montana: Betreiber von Unglücksbar gibt offenbar zu, dass Serviceausgang verschlossen war

Crans-Montana: Betreiber von Unglücksbar gibt offenbar zu, dass Serviceausgang verschlossen war© Umit Bektas / REUTERS

Ein Serviceausgang im Erdgeschoss der Bar Le Constellation in Crans-Montana war zum Zeitpunkt der tödlichen Brandkatastrophe offenbar von innen verriegelt. Das habe Barbetreiber Jacques Moretti gegenüber Ermittlern ausgesagt, berichtete der öffentlich-rechtliche Fernsehsender RTS am Samstag. Demnach habe Moretti den Ausgang in der Unglücksnacht selbst von außen geöffnet und dann mehrere leblose Körper vor der Tür gefunden. Der Franzose soll zudem ausgesagt haben, er wisse nicht, warum der Ausgang verschlossen war.

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Moretti habe zudem eingeräumt, dass er selbst die Schaumstoffverkleidung der Decke eingebaut habe, die in Brand geraten war. Er erklärte demnach, alten Akustikschaum entfernt und durch Schaumstoff ersetzt zu haben, den er im Baumarkt gekauft habe. Mitarbeiter waren sich der Gefahr durch die Verkleidung offenbar bewusst. So hatte ein Kellner zu Silvester 2019/2020 laut einem Video die Gäste vor der Gefahr gewarnt, den Schallschutz an der Decke in Brand zu setzen.

Jacques Moretti und seine Frau Jessica sind bereits mehreren Vorwürfen ausgesetzt. Derzeit wird gegen das Paar wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Brandstiftung und fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Jessica Moretti bittet um Entschuldigung

Am Freitag hatte sich Jessica Moretti erstmals öffentlich geäußert und um Entschuldigung gebeten. »Meine Gedanken sind ständig bei den Opfern und den Menschen, die noch heute um ihr Überleben kämpfen«, sagte die Französin vor Journalisten. In ihrer Bar habe sich eine »unvorstellbare Tragödie« ereignet. »Dafür möchte ich mich entschuldigen.«

Bei dem Feuer waren in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben gekommen und 114 Menschen verletzt worden, darunter viele mit schweren Brandverletzungen. Am Freitag hatte die Schweiz mit einer Schweigeminute, Glockengeläut und einer Trauerfeier der Opfer gedacht. Gleichzeitig wurden Jacques und Jessica Moretti über sechs Stunden lang von der Staatsanwaltschaft befragt.

Jacques Moretti wurde nach dem Verhör wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft genommen. Die Staatsanwaltschaft verwies zudem auf seine Aussagen im Verhör und seine Vergangenheit: Jacques Moretti war in Frankreich bereits 2018 wegen Zuhälterei verurteilt worden. Nach Angaben seines Anwalts muss ein Gericht die U-Haft innerhalb von 48 Stunden bestätigen. Seine Frau blieb zunächst auf freiem Fuß.

Ersten Ermittlungserkenntnissen zufolge war der Brand im Keller der Bar offenbar durch Partyfontänen ausgelöst worden, die an Champagnerflaschen angebracht waren und zu nah an die Decke gehalten wurden. Die Ermittlungen konzentrieren sich unter anderem auf die Frage, ob die Schaumstoffdämmung an der Kellerdecke den Brandschutzvorschriften entsprach. Nach Angaben des Gemeinderatspräsidenten hatte die letzte der jährlich vorgeschriebenen Brandschutzinspektionen im Jahr 2019 stattgefunden.

Gesetzesänderung in der Unglücksnacht

Über die Verantwortung für die Katastrophe könnte es zu einem langwierigen Rechtsstreit kommen. Der Gemeinde könnte dabei laut einem Bericht der Schweizer Boulevardzeitung »Blick« eine Änderung im Walliser Baugesetz helfen, die erst in der Silvesternacht in Kraft trat. In einem neuen Zusatz heißt es dort: »Die zuständige Behörde haftet nicht für Schäden, die dadurch entstehen, dass Bauherren und deren Vertreter gegen die Vorschriften dieses Gesetzes verstoßen.«

Der Schweizer Rechtsanwalt und frühere Nationalrat Pascal Schmid zeigte sich gegenüber der Zeitung aber skeptisch, ob das veränderte Recht in diesem Fall tatsächlich schon greife. Denn die Gerichte könnten davon ausgehen, dass die entscheidende Aufsichtsverletzung noch unter dem alten Gesetz erfolgt sei. Zudem sei es möglich, dass der Haftungsausschluss nicht mit übergeordnetem Recht wie der Kantons- oder Bundesverfassung vereinbar sei.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es unter Berufung auf den Schweizer Sender RTS, Barbetreiber Moretti habe offenbar zugegeben, dass der Notausgang im Untergeschoss in der Brandnacht verschlossen gewesen sei. Später korrigierte der Sender allerdings seine Darstellung: Es sei ein Serviceausgang im Erdgeschoss gewesen, der verschlossen gewesen sei. Wir haben die betreffenden Stellen deshalb ebenfalls korrigiert.

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