
40 Menschen starben, Dutzende wurden verletzt: Das Feuer in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana ist eine der schlimmsten Katastrophen des Landes. Nun scheint klar zu sein, was sie ausgelöst hat.

Die Brandtragödie im Schweizer Skiort Crans-Montana wurde bisherigen Erkenntnissen zufolge von Feuerfontänen ausgelöst, die zu Showzwecken auf Champagnerflaschen angebracht wurden. Das teilten die Ermittler am Freitagnachmittag auf einer Pressekonferenz mit.
»Tatsächlich deutet alles darauf hin, dass das Feuer von glühenden Kerzen beziehungsweise von Bengalfeuern ausging, die auf Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke gehalten wurden. In der Folge kam es zu einer schnellen, sehr schnellen und umfassenden Brandausbreitung«, sagte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Béatrice Pilloud. Es seien Videos analysiert worden, man habe Aussagen dazu bekommen, so habe man diesen Schluss gezogen, so Pilloud.

Das Innere der Bar Le Constellation nach dem Brand Foto: Police Cantonale Valaisanne / AP / dpa
Man befragte bei den Ermittlungen unter anderem die beiden französischen Besitzer der Bar Le Constellation, sowie Überlebende des Unglücks und weitere Personen. »Diese Befragungen ermöglichten es einerseits, Listen der an diesem Abend anwesenden Personen zu erstellen, die bei der Identifizierung helfen. Andererseits lieferten sie Informationen zur inneren Konfiguration der Räumlichkeiten, zu durchgeführten Umbauten und zur Kapazität«, sagte Pilloud weiter.
Abgeschlossen seien die Ermittlungen noch nicht: Man werde sich in den nächsten Stunden und Tagen »insbesondere mit den im Barbereich vorgenommenen Arbeiten befassen, mit den verwendeten Materialien, den Betriebsgenehmigungen und den Sicherheitsmaßnahmen«, so Pilloud. Man wolle sich vor allem Feuerlöscher, Fluchtwege, die Einhaltung der Brandschutzvorschriften sowie die Mittel zur Brandbekämpfung anschauen. »Zudem wird geprüft, wie viele Personen an diesem Abend anwesend waren, wie viele Gäste die Bar offiziell aufnehmen darf, welche Ausstattung sich in den Räumen befand, wie die Evakuierungswege verliefen und wie der Zugang gestaltet war.«

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Trauer in Crans-Montana
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Foto: Alessandro Della Valle / dpa
Es werde auch geprüft, ob es eine strafrechtliche Verantwortung gegen Personen gebe; sofern sie noch leben würden, könne eine Anklage erhoben werden, zum Beispiel wegen fahrlässiger Brandstiftung, fahrlässiger Körperverletzung oder fahrlässiger Tötung.
Ein »beispielloses Ereignis in der Geschichte des Kantons«
Staatsrat Stéphane Ganzer sprach von einem »beispiellosen Ereignis in der Geschichte des Kantons«. Der Einsatz sei entsprechend groß, neben Beamten der Bundeskriminalpolizei seien auch Spezialisten des Zürcher Forensischen Instituts, die insbesondere den Brandursprung analysieren. Rund vierzig uniformierte Kräfte der Kantonspolizei seien für Sicherungs-, Begleit- und Ordnungsaufgaben im Einsatz, weitere etwa vierzig Inspektoren führten Ermittlungen und Befragungen durch. »Hinzu kommen rund dreißig weitere Spezialisten für die Identifikation der Opfer«, so Ganzer.

Fredy-Michel Roten, Direktor der Walliser Rettungsorganisationen, bedankte sich bei allen beteiligten Rettern. »Es war nicht nur ein Walliser Ablauf, sondern auch ein nationaler und internationaler Ablauf, da es zunächst mehr Opfer gab als verfügbare Mittel«, so Roten. Er erläuterte zudem, wie die Triage der Verletzten abgelaufen sei: Man habe eine große Anzahl an Personen intubieren und in ein künstliches Koma versetzen müssen. 41 Rettungswagen, 22 davon aus dem Kanton Waadt seien im Einsatz gewesen, zudem 13 Helikopter, auch ein französischer und ein italienischer seien darunter gewesen, sagte Roten.
Wie die Toten identifiziert werden
Nach Angaben des Polizeichefs des Kantons Wallis, Frédéric Gisler, gebe es nach bisherigem Ermittlungsstand 40 Todesopfer und 119 Verletzte, von denen man 113 bereits identifiziert habe. Darunter seien unter anderem 71 Schweizer, 14 Franzosen, elf Italiener und vier Serben.
Pierre-Antoine Lengen, der Chefinspektor in dem Fall, erklärte die Abläufe zur Identifizierung der Todesopfer. Man gehe ähnlich vor wie etwa bei der Tsunamikatastrophe von 2004. So seien derzeit unter anderem Zahnärzte im Einsatz und gut zwei Dutzend weitere Mitarbeitende.