
Jessica Moretti (klein im Bild) hat die Bar mit ihrem Mann Jaques betrieben.© AP/APA/LinkedIn/Krone KREATIV
Nach dem Feuerinferno im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana in der Silvesternacht mit 40 Toten und Hunderten Verletzten dauern die Ermittlungen zur Tragödie im Nachtclub „Le Constellation“ an. Ein Video – das bislang nur den Ermittlern vorliegen soll – sorgt für Empörung.
In den Aufnahmen ist nach Angaben mehrerer Medien die Mitbetreiberin des Clubs, Jessica Moretti, dabei zu sehen, wie sie mit den Einnahmen des Abends flieht, während das Lokal brennt und Dutzende Menschen ihren Tod finden. Demnach hatte sie die Kassa unter ihrem verbrannten Arm. Das Bildmaterial liegt Ermittlern vor, ist nicht öffentlich einsehbar.
„Man verlässt das Schiff nicht, wenn das Meer tobt“
Für viele Angehörige wäre es ein Schockbild, für die Justiz ein möglicher Wendepunkt. Während im ausgebrannten „Le Constellation“ noch immer der Brandgeruch in der Luft liegt, kochen die Emotionen hoch. „Man verlässt das Schiff nicht, wenn das Meer tobt“, wiederholt Bürgermeister Nicolas Féraud.
Druck auf Bürgermeister steigt
Doch mit jeder Stunde wächst der Druck auf ihn, zurückzutreten. Er hatte eingeräumt, dass seit 2020 keine Kontrollen in dem Lokal an der Rue Centrale durchgeführt worden seien. Andernfalls wäre wohl aufgefallen, dass es sich längst nicht mehr nur um eine Bar handelte, sondern um eine Art Diskothek, in die deutlich mehr als nur 240 Personen eingelassen wurden.
Gegen Jessica Moretti und den zweiten Clubbetreiber, Jacques Moretti, wird unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung und Brandstiftung ermittelt. Bislang fehlen den Behörden nach eigenen Angaben jedoch ausreichende Beweise für Haftmaßnahmen.
Funkensprühende „Partyfontäne“ als AuslöserDas verheerende Feuer mit 40 Toten und 116 Verletzten in der Silvesternacht ging wahrscheinlich von der Verwendung von „Wunderkerzen“ aus, welche die Schaumstoffdecke der Bar in Brand setzten. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus.
Aus welchem Material diese Schaumstoffdecke bestand, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Bei Kontrollen in den Jahren 2017 bis 2019 wurden keine Mängel festgestellt. Der Barbetreiber hatte das Lokal vor etwa zehn Jahren eigenhändig umgebaut. Für Änderungen im Innenausbau ist keine Genehmigung nötig.
Abgesehen von Schweizern kamen die meisten Opfer aus Frankreich und Italien. Die Opfer des Dramas sowie ihre Familien werden eine finanzielle Unterstützung erhalten.
Dank an Rettungskräfte
Der Walliser Staatsrat Mathias Reynard dankte den Rettungskräften für ihr großes Engagement nach der Brandkatastrophe: „Ohne ihren Einsatz hätte das Feuer noch mehr Todesopfer gefordert.“