Alle 40 Todesopfer von Crans-Montana identifiziert

Nach der Identifizierung aller 40 Todesopfer des Brandinfernos in Crans-Montana steht fest: Viele derjenigen, die es nicht mehr lebend aus der brennenden Bar schafften, sind noch nicht volljährig gewesen. Das jüngste Todesopfer ist eine 14-jährige Schweizerin, wie die Schweizer Polizei im Kanton Wallis berichtet. Andere waren erst 16 Jahre alt. Darunter waren unter anderem Italiener und Franzosen. Opfer aus Österreich wurden nicht registriert.

Das Inferno in einer Bar des Schweizer Skiorts wurde nach bisherigen Ermittlungen durch eine funkensprühende Partyfontäne ausgelöst. Sie setzte den Erkenntnissen zufolge Schaumstoff an der Decke in Brand. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Untersucht wird, ob die Brandschutzvorschriften eingehalten wurden. Gegen die beiden französischen Betreiber der Bar wird inzwischen unter anderem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Unklar ist unter anderem, ob die Deckenabdeckung regelkonform war und ob es genügend zugängliche Notausgänge gab.

Kritische Phase für Überlebende

Einige der 119 überwiegend schwer verletzten Überlebenden sind in einer kritischen Phase: Bei sehr schweren Verbrennungen treten Symptome der Verbrennungskrankheit wie Organversagen erst nach 48 Stunden auf, wie Experten erläutern. Zudem wächst das Risiko von Infektionen, weil das überforderte Immunsystem geschwächt ist. Erst, wenn die Risiken minimiert sind, beginnen die ersten von zahlreichen Operationen, um die verbrannte Haut zu entfernen und zu ersetzen – idealerweise mit Haut von anderen Körperstellen, die unversehrt blieben.

Mehrere Patienten sind inzwischen in auf Verbrennungen spezialisierte Kliniken in anderen Ländern wie Deutschland verlegt worden. Die Schweiz hat nicht genügend Kapazitäten, um alle Verletzten langfristig zu behandeln und Plätze für 50 Patientinnen und Patienten überwiegend in Nachbarländern angefragt. Unter anderem werden Überlebende aus Crans-Montana in Ludwigshafen, Stuttgart, Tübingen, Bochum und Köln-Merheim behandelt. Weitere Kliniken haben Aufnahmeplätze zugesagt.

Unter den 119 Verletzten sind mehr als 70 Schweizer sowie Franzosen, Italiener, Serben und einzelne Angehörige anderer Länder. Österreichische oder deutsche Opfer wurden bisher nicht gemeldet.

Bereits 35 Patienten in Kliniken im Ausland verlegt

35 Patientinnen und Patienten sind seit Freitag, einen Tag nach der Brandkatastrophe, durch den Katastrophenschutzmechanismus der Europäischen Union von Spitälern in der Schweiz in spezialisierte Kliniken in Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien verlegt worden. Sieben Personen konnten am Freitag und Samstag nach Belgien, weitere sieben Personen nach Deutschland, 15 Personen nach Frankreich und sechs Personen nach Italien verlegt werden, so das Bundesamt für Bevölkerungsschutz am Sonntag. Drei Patienten könnten voraussichtlich noch am Sonntag nach Italien und Frankreich transportiert werden.

Für den Transport wurden Ambulanzflugzeuge und -helikopter mit Spezialistinnen und Spezialisten aus Italien, Frankreich, Rumänien und Luxemburg sowie der Rettungsflugwacht Rega eingesetzt. Im Rahmen des Katastrophenschutzmechanismus der EU (UCPM) wurde aus zahlreichen Ländern Unterstützung angeboten. Dazu gehören Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Litauen, Luxemburg, die Niederlande, Nordmazedonien, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Hilfsangebote kamen außerdem aus der Türkei.

Nationales Gedenken an die Opfer

Die Schweiz plant am 9. Jänner einen nationalen Trauertag und eine Gedenkfeier für die Opfer. Die Gemeinde legte online ein Kondolenzbuch auf. Als Erster schrieb darin Bundespräsident Guy Parmelin: “Allen trauernden Familien, allen Opfern sage ich erneut mit Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit: Ihr Leid ist auch unser Leid.” Er werde an der Gedenkfeier in Crans-Montana teilnehmen. Ob andere Staatschefs anreisten, sei noch unklar, sagte er in Zeitungsinterviews.

Zu Beginn der Trauerfeier in Crans-Montana sollen im ganzen Land die Kirchenglocken läuten, begleitet von einer landesweiten Schweigeminute, wie Parmelin weiter sagte.

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